
Wie läuft die Wahl ab?
In Schleswig-Holstein gibt es 35 Wahlkreise mit jeweils ähnlichen Bevölkerungszahlen. Insgesamt leben knapp 2,9 Millionen Menschen in dem Bundesland.Jeder Wähler hat zwei Stimmen. Mit der Erststimme werden die Wahlkreiskandidaten gewählt. Wer dort die meisten Stimmen holt, ist gewählt. Die Zweitstimme wird für die Landesliste einer Partei abgegeben, damit kommen regulär 34 Mandate dazu.Berechnet wird die Sitzaufteilung nach dem Verfahren von Sainte-Laguë/Schepers. Erhält eine Partei mehr Direktmandate in den Wahlkreisen, als ihr prozentual nach Zweitstimmen zustünden, behält sie diese Mehrsitze. Die anderen Parteien bekommen dafür entsprechend ihrem Anteil Ausgleichsmandate. Es gilt die Fünf-Prozent-Hürde.
Sonderfall SSW
Der Südschleswigsche Wählerverband ist als Partei der dänischen Minderheit von der Fünf-Prozent-Klausel befreit. Er braucht aber mindestens so viele Stimmen, wie für die Zuteilung des letzten Mandates notwendig sind. Auf dieser Basis ist die Partei, die auch die friesische Minderheit vertritt, seit 1958 durchweg im Parlament, lange aber nur mit einem Abgeordneten. 2012 bis 2017 bildete der SSW mit SPD und Grünen eine Regierung. Mit Anke Spoorendonk stellte er die Justizministerin.
Wie lief die Landtagswahl 2017?
Bei der Landtagswahl 2017 im nördlichsten Bundesland Deutschlands setzte sich die CDU (32 Prozent) als stärkste Kraft durch. Dahinter folgten die SPD (27,3 Prozent), die Grünen (12,9 Prozent), die FDP (11,5 Prozent) sowie die AfD (5,9 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag im Mai 2017 bei 64 Prozent.
Wer sind die Spitzenkandidaten?
Daniel Günther (CDU): Seit 2009 gehört Günther dem Landtag in Schleswig-Holstein an, seit 2017 ist er Ministerpräsident. Der 48-Jährige hofft auf eine Fortsetzung der Jamaika-Koalition. Er verspricht vor allem eine bessere Förderung der Schüler, so soll beispielsweise die Digitalisierung der Schulen vorangetrieben und Informatik zum Pflichtfach werden. Außerdem will er Schleswig-Holstein zum ersten klimaneutralen Industrieland machen sowie in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs investieren. Lesen Sie hier ein Porträt.Thomas Losse-Müller (SPD): Dem im Ruhrgebiet geborenen SPD-Mann könnte seine geringe Bekanntschaft zum Verhängnis werden. Nur ein Viertel der Wähler kannte Losse-Müller vor dem Wahlkampf überhaupt. Er will ähnliche Ziele verfolgen wie sein Konkurrent Günther, zum Beispiel mehr Klimaschutz und Digitalisierung an Schulen. Zusätzlich möchte die SPD die Kita-Gebühren in Schleswig-Holstein abschaffen, was Ministerpräsident Günther für “nicht finanzierbar” hält. Auch soll eine Mietpreisbremse eingeführt werden.Erst 2020 wurde Losse-Müller Sozialdemokrat, zuvor gehörte er als Chef der Staatskanzlei und Finanzstaatssekretär den Grünen an. Vor dem Wechsel in die Politik arbeitete der Volkswirt für die Deutsche Bank und die Weltbank, nach dem Regierungswechsel hin zu Jamaika als Unternehmensberater. Auch wegen dieser Auszeit von der Politik kam seine Berufung zum Spitzenkandidaten überraschend.Monika Heinold (Die Grünen): Natürlich geht es bei der Finanzministerin und ihrer Partei in erster Linie um das Thema Klimaschutz. Das Ziel: Klimaneutralität schon im Jahr 2035. Dafür sollen mehr Windräder gebaut und Neubauten verpflichtend mit einer Solaranlage ausgestattet werden. Aber auch andere Themen stehen bei Heinold im Fokus: “Klimaschutz, Bildungspolitik und Steuerpolitik sind eine Frage der Generationengerechtigkeit”, schreibt sie auf ihrer Homepage.